Vertrauen versus Kontrolle?
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    Aquila
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    Vertrauen versus Kontrolle?

    von Aquila » 07.07.2013, 19:14

    Hallo miteinander,

    ich habe mir überlegt ich greife ein aktuelles Thema auf um einen neuen Thread zu starten. Es geht um die NSA/Snowden Sache, von der ihr sicherlich alle mitbekommen habt. Ich will gar nicht auf dieses Thema eingehen (Wenn Interesse dazu besteht könnte man trotzdem vielleicht in einem anderen Thread das Thema anschneiden, ist sicherlich auch interessant), sondern eine andere Frage aufwerfen die sich mir stellt:

    Wie schafft man ein gesundes Maß zwischen Vertrauen und Kontrolle in zwischenmenschlichen Beziehungen egal welcher Art? Vertraut ihr eher schnell oder langsam, oder vielleicht gar nicht? Wie richtig ist der Satz "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?" Wie würdet ihr den Jediismus bei dieser Frage sehen?

    Ich persönlich bin eher jemand der sehr lange braucht um Personen zu vertrauen. Ich vergleiche das gern mit einem Baum, der lange zum Wachsen braucht, aber innerhalb von Sekunden gefällt werden kann. Vertrauen kann in Bruchteilen kaputt gehen, braucht aber lange um zu entstehen. Wenn sich dann aber eine Vertrauensbasis entwickelt hat trägt dies meistens auch gute Früchte, ich finde es wichtig dass man Personen hat denen man vertrauen kann und dass man für andere auch eine Vertrauensperson ist. Loyalität und Treue würden mir da spontan als Tugenden dazu einfallen, die ich persönlich auch sehr wertschätze. Kontrolle über andere finde ich übrigens völlig daneben und würde ich auch nie machen (z.B. SMS der Freundin lesen oder sonstwelche Dinge). Die einzige Kontrolle die ich ausübe ist über mich selbst, d.h. ich überlege mir immer sehr genau was ich jemandem sage oder nicht, denn ein einmal ausgesprochenes Wort kann man nicht mehr ruckgängig machen.

    Ich würde mir natürlich wünschen dass wir in einer Welt leben würden wo sich die Menschen viel mehr Vertrauen würden, aber eigene Erfahrungen und die moralische Dürre (wer blind vertraut wird oft ausgenutzt) in der wir uns zurzeit befinden (es gibt natürlich einzelne Ausnahmen keine Frage) lassen mich in diesem Punkt sehr vorsichtig und auch anfangs misstrauisch gegenüber fremden/neuen Dingen sein.

    Wie sieht das bei euch aus?
    "Train yourself to let go of everything you fear to loose" - Yoda
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    Vrooktar
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    Re: Vertrauen versus Kontrolle?

    von Vrooktar » 07.07.2013, 21:37

    Eine Fragestellung die in der Form nicht wirklich zu pauschalisieren ist.
    Meiner Meinung auch, weil die Gegenüberstellung von "Vertrauen" und "Kontrolle" schon stark vereinfachend ist.
    Manch ein Leser wird sich, auf Basis von Vorurteilen, sofort auf der Seite des Vertrauens sehen, das stets der Kontrolle vorzuziehen ist. Ich denke darüber wird ein ums andere Mal nicht hinreichend reflektiert.
    Ich habe 3 kleine Kinder, soll ich darauf vertrauen, dass schon alles in Ordnung sein wird oder könnte es nicht vielleicht doch besser sein die Kontrolluntersuchungen mitzunehmen?
    Wenn ich ein Werkstück bearbeite, beispielsweise um eine Schleifmaschine zu reparieren, soll ich darauf vertrauen, dass schon alles passen wird und dann über Monate 500 Teile anfertigen bis eins passt oder könnte es nicht weit nachhaltiger, umsichtiger und effizienter sein es mit 80 Kontrollmessungen beim ersten Mal richtig zu machen?
    Sollten wir einfach darauf vertrauen, dass das mit unserem Planeten und unserer Wirtschaft gut geht oder könnte es nicht sinnvoll sein, die Auswirkungen unseres Handelns zu kontrollieren um eine bessere Lösung zu finden?

    Ich denke das sind 3 einleuchtende Beispiele in denen ein Fokus auf dem Vertrauen eher naiv und kurzsichtig erscheint.

    Wir Menschen sind dazu fähig sehr präzise unser Handeln zu erfassen. Ich denke es ist klug über selbiges Handeln Kontrolle auszuüben, statt es blindlings zu entfesseln. Sei es nun aus der Perspektive eines Individuums oder einer Gesellschaft.

    Du Aquila aber, scheinst den ganzen, sehr allgemeinen, Titel aus einer ganz anderen Richtung beleuchten zu wollen. Dir scheint es bei der Thematik, wie den meisten, eher konkret um die Kontrolle von Menschen zu gehen, was in meinen Augen eher ein Spezialfall ist.

    Ich denke im zwischenmenschlichen Bereich haben zu allererst, also als Urzustand, weder Kontrolle noch Vertrauen etwas zu suchen. Im Vornherein schon auf einer der beiden Seiten zu stehen ist vorurteilsbehaftet, raubt einem die richtige Handlungsfähigkeit und kann leicht zur Selbsttäuschung führen. Ich denke über entsprechende Sachverhalte muss man klar und unvoreingenommen urteilen können, um dann die Interessen noch gegeneinander abzuwägen imstande zu sein.
    Persönlichkeitsrechte zu verletzen ist dann logischerweise kaum aus Neugier zu rechtfertigen.
    Einem Menschen zu verbieten mit Schusswaffen aus Spaß in die Luft zu schießen, weil es akut die Allgemeinheit gefährdet ist da eine ganz andere Geschichte.
    Und ob es gerechtfertigt erscheint 80 Millionen Menschen grundgesetzwidrig auszuspionieren, um einen unklaren Effekt gegen ein Problem zu erzielen, das einige Tausendstel Prozent aller jährlichen Todesfälle verursacht…… kann ja jeder für sich erwägen.
    "Leider ist die grundlegende Einsicht in den Wert grundlegender Einsichten nur bei sehr wenigen Menschen vorhanden."
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    Re: Vertrauen versus Kontrolle?

    von Reeir » 11.11.2014, 00:32

    Ich hätte zum Thema Vertrauen und Kontrolle, ein Beispiel aus meiner Beziehung mit meiner jetzigen Freundin.
    Es gab jetzt schon mehrmals den Falls das sie Blindlings Menschen Vertraut hat, nun diese Menschen habe ich irgendwann logischerweise Kennengelernt.
    Nun habe ich versucht diese Personen unvoreingenommen zu betrachten, ihre Körpersprache zu deuten, Ihr ganzes Verhalten halt, denn ich will ja den Freunden meiner Freundin Vertrauen können.
    Da ich aber Recht unvoreingenommen an die Sache ranging, wo ich sonst selbst zugegebener Maßen im Normalfall emotional vorgehe,habe ich mehrere Fehlverhalten feststellen können an einigen Personen in näherer Umgebung meiner Freundin, welches defintiv äusserst Negativ gewirkt hätte (als Beispiel, ein Fall wollte sie zum Fremdgehen verleiten, ein wiederrum anderer hätte sie gar zwingen wollen was mit ihr zu machen).

    Nun bin ich hingegangen, habe es mit ihr durchgesprochen, sie auf gewisse Verhaltensweisen dieser Personen hingewiesen auf die sie mal genauer achten sollte, was sie auch tat, habe ein gewisses Maß an Kontrolle ausgeübt, ohne sie zu etwas zwingen zu müssen aber dennoch ihre Sicherheit zu gewährleisten.

    Anfangs war sie nicht damit Zufrieden, denn sie bemerkt die ausübung von Kontrolle und Einmischung auf sie direkt.
    Auch wenn es nicht gezwungen war und wir oft darüber geredet hatten, hat es Monate gedauert in denen sie erkennen musste das dieses Maß an Kontrolle das ich nutze einfach sein muss um sie zu schützen, mittlerweile ist sie Glücklich drüber und passt ihr Verhalten insoweit an das sie diese Art von Kontrolle auf mein Vertrauensverhältnis zu meinen Bekanntschaften auch ausübt um wiederrum mich zu schützen.
    Ich finde es gut das sie es auch so macht, und ich finde es ist ein gesundes Maß von Kontrolle und Vertrauen zueinander, was uns hilft effektiver Vertrauensverhältnisse zu anderen Aufzubauen ohne gleich eingehen zu müssen, ausgenutzt zu werden oder schlimmeres.

    Ich finde auch ein gewisses maß an Kontrolle sollte vorhanden sein.

    Ich hoffe ich hab jetzt kein Wirr Warr geschrieben und alle verstehen was ich meine. :lol:
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    Re: Vertrauen versus Kontrolle?

    von Vrooktar » 11.11.2014, 16:59

    Grundsätzlich kann ich deine Ausführungen gut verstehen, aber noch besser wäre es doch wenn die eigene Position nicht in solchem Maße auf tönernen Füßen stehen würde, dass man ohne äußere Hilfe ständig Gefahr läuft ein Opfer zu werden.
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    Re: Vertrauen versus Kontrolle?

    von Reeir » 11.11.2014, 17:16

    Na so meinte ich es auch gar nicht, klar kann man auch Selbstständig Handeln ohne auf Gefahren zu stoßen, ich sehe diese ganze Sache die ich im vornherein beschrieben habe auch eher als Unterstützung die mir gefällt und ich Hilfreich finde.

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